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Torpus & The Art Directors - Being Discovered

Torpus & The Art Directors - Being Discovered

Label: Grand Hotel van Cleef
VÖ: 20. Mai 2016

Tracklist

01. Time To Pretend (MGMT)
02. Big Jet Plane (ANGUS & JULIA STONE)
03. I Need Some Fine Wine And You, You Need To be Nicer (THE CARDIGANS)
04. Everybody’s Changing (KEANE)
05. Johnny And Mary (ROBERT PALMER)

Medien

Es ist annähernd egal, was Torpus & the Art Directors spielen, um welche Uhrzeit und an welchem Ort. Eines ist dabei stets gleich: Band wie Zuschauer werden eine verdammt gute Zeit haben, viel lachen, mitwippen, vielleicht tanzen. Und sich gemeinsam an dem Moment erfreuen – und an der guten Musik, die man hört. Torpus & the Art Directors spielen, und damit ist die Welt mal für einen Moment halbwegs in Ordnung.

Mit dieser Haltung, ihrer Qualität, Menschen einfach zu erfreuen mit ihren wunderbaren, gedankenvollen und zugleich irre belebenden Indie-Folk-Pop-Stücken, hat sich das Quintett seit 2009 einen deutschlandweiten Ruf erspielt. Auf Grand Hotel van Cleef veröffentlichte die Band um Frontmann Sönke Torpus die beiden Alben „From Lost Home To Hope“ (2012) und „The Dawn Chorus“ (2015), spielten zahlreiche Deutschland-Tourneen und auf so ziemlich jedem Open Air, das sich finden ließ. Dabei sammelten sie fleißig treue Fans ein, die zu schätzen wissen, was Torpus da tun: etwas Handgemachtes, Warmes, Authentisches und für einen derart artifiziellen Prozess der Musikerzeugung auch außergewöhnlich Empathisches.

Dass sie tatsächlich so ziemlich alles spielen können, belegt die nun erscheinende Ten Inch „Being Discovered“ (Vinyl und Download/Stream only. Keine CD.) Denn sie enthält ausschließlich Coversongs, fünf an der Zahl. Es sind Songs, die die Bandmitglieder schon seit langer Zeit begleiten, die sozusagen zum bandinternen Must-Love-Kanon gehören. Und die von ihnen derart neu und eigen interpretiert wurden, dass man sich verwundert die Augen reibt. Oder eben auch nicht, weil man ja weiß, dass dieser Fünfer eben einen ganz eigenen Stil verfolgt, der ebenso eruptiv wie durchdacht, ursprünglich wie ausformuliert ist. Oder, wie Sönke Torpus es ausdrückt: „Coverversionen, die dem Original in Arrangement und Instrumentierung ähnlich sind, hielten und halten wir für irrelevant, weil sie in der Form nie an ein Original heranreichen werden. Also haben wir uns zur Aufgabe gemacht, diese Nummern anders zu verpacken, in unserem eigenen Stil, mit einem Fokus auf Details, die vielleicht im Original nicht sofort ins Auge beziehungsweise Ohr springen.“

Los geht’s mit „Time to Pretend“ von MGMT. „Bei der Nummer stehen die wunderschöne Melodie und der herrlich ironische Text im Vordergrund, die Band hält sich hier gerne im Hintergrund. Wir fanden, dass gerade dem Text eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss, der unsere Sicht auf Ruhm und  das Rockstartum ziemlich gut widerspiegelt.“ Am Ende lässt sich sagen: So hat man einen MGMT-Song noch nie gehört. „Big Jet Plane“ von Angus & Julia Stone ist ein weiterer Band-Favorit, schon weil, wie Sönke sagt, „wir wohl selten eine schönere Liebeserklärung gehört haben als 'I'm gonna take her for a ride on a big jet plane'. Das hat uns schon oft ins Schwelgen und Schmachten gebracht.“

Schmachten darf man auch bei ihrer Version noch, aber der Fokus ihrer Interrpretation lag darin, das enorm Süße des Originals etwas aufzubrechen und frecher, fordernder zu klingen. Was ausgezeichnet geklappt hat. Ähnlich verhielt es sich mit dem Cardigans-Song „I Need Some Fine Wine and You, You need to be nicer“: Wo das Original schon derart perfekt auf den Punkt gebracht ist, macht eine Coverversion nur Sinn, wenn sie ganz andere Akzente setzt. Am besten selber hören.

Und wo wir gerade bei frech waren: Es gehört schon eine gewisse Chuzpe und Unverfrorenheit dazu, eine dermaßen runde Popnummer wie den Keane-Song „Everybody's Changing“ so ins Rüpelhafte, ja fast dreckig Rockige zu ziehen. Mit Vorsatz, wird erklärt: „Da diese Melodie einfach unkaputtbar und schöner nicht zu singen ist, fanden wir es spannend, eine klassische 'Scheiß-Drauf'-Rocknummer draus zu machen.“ The Beauty and the beast in einem Song. Muss man erst mal machen. Abgerundet wird die EP durch den Robert Palmer-Klassiker „Johnny and Mary“, der im Original nur bedingt gut altert, weil er doch die typischen Merkmale der damaligen Klangästhetik in sich trägt. Torpus fanden auch hier den Text besonders bedeutsam und stellen ihn klanglich deshalb in einen ganz neuen Kontext, in dem er atmen und sich entfalten kann – und damit ein neues Gewicht und höhere Aufmerksamkeit erlangt.

Schon an der Stilbreite der ausgewählten Stücke lässt sich erkennen, dass Torpus & the Art Directors in keiner Weise festgelegt sind. Was zählt, ist, dass es gute Musik 
ist. Und das war auch der Hauptantrieb hinter dieser Ten Inch, wie Sönke erklärt: „Es geht generell um die Idee, wie unterschiedlich Lieder wirken können, je nachdem worauf der Fokus gelegt wird. Mal die schöne Melodie, dann der Text, dann der Bruch von Schönen und Unschönen, jedes Mal wirkt das Lied anders. Bei den Proben für diese Platte haben wir festgestellt: Egal, auf welche Art du es spielst - ein gutes Lied bleibt ein gutes Lied. Beruhigend, erstaunlich und schön zugleich.“

Bei all diesem Gerede um Interpretation und Auseinandernehmen der Sache an sich darf aber vor allem nicht in Vergessenheit geraten, dass es ihnen in erster Linie sehr viel Spaß gemacht hat, diese Lieder einfach zu spielen und umzuarrangieren  - und in Zukunft auch in ihre Konzerte einzubauen. Womit der Spaß und die Freude an ihren Konzerten noch mal ein kleines bisschen steigen dürfte. Für Band und Zuschauer gleichermaßen.

Autor: Sascha Krüger