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Home Of The Lame - Habitat EP

Home Of The Lame - Habitat EP

Label: Grand Hotel van Cleef
VÖ: 3. November 2006

Tracklist

  1. Habitat
  2. You With The) Happy Face
  3. Keep Our Hearts
  4. Girl, Park, Cigarette Machine
  5. Without You

Medien


Info:

Die Luft so klar wie Schnaps nördlich von Hamburg, der Wind verteilt Tatzenhiebe in der Septembersonne, die Wipfel der Birken und Pappeln. Ich klettere durchs Fenster wieder rein zu den Jungs auf die Fabriketage. Seit gestern mischen die beiden an den fünf Songs, die Felix aus dem Wohnzimmer seiner Mutter im Wendland mitgebracht hat. Homerecording, wie früher, nur größer. Niki spult vor, noch einmal zurück, nimmt den Hall aus dem Gesang, drückt alle Instrumente weg, und Felix´ Stimme steht derart nah und warm im Raum, die Birken draußen hinter den riesigen Fenstern.

Felix und ich haben uns vier Jahre nicht gesehen, überhaupt war ich lange nicht mehr im Land, hatte diese Stimme allerdings immer dabei, auf alten Chromkassetten und auf neueren CDs. Nachdem ich in Berlin aus dem Flieger gestiegen bin, lag auf dem ersten Klo eine Gala, in der von der Hamburger Szeneband Home of the Lame die Rede war. Felix kommt aus Hannover-Linden, aber da waren die von der Gala natürlich noch nicht. Die WG mit Jochen Gutsch, der anderen Hälfte von Home of the Lame damals, ständig ein neues 4-Spur-Demo, Gitarre und Gesang, Songs unter dem Einfluss von wahrscheinlich Marlboro und Pall Mall. Wenn man mir die Sachen vorspielt, die Mitte der 90er in meiner eigenen WG aufgenommen wurden, ziehe ich mir vor Scham die Decke übers Gesicht, die frühen Lieder von Felix summe ich noch heute in der Schlange im Supermarkt.

Dann der Moment, in dem er plötzlich so irre gut war. Immer irgendwie traurig, immer unterwegs im VW mit der Gitarre, immer sehr allein. Ich kam nach Schweden, das Wasser im See so golden wie Whisky, und die Leute hockten flüsternd zusammen, mit nackten Gesichtern und eigentümlich aufgewühlt, weil Felix auf der anderen Uferseite saß und sang.

Die fünf neuen Songs, die unter dem Titel "Habitat" nun eine EP werden sollen, eine Bestandsaufnahme vielleicht zwischen zwei Alben, klingen für mich wie die Essenz dieser ganzen Zeit. Ein langes Abarbeiten an dem Singer-Songwriter-Ding, und dann mit fünf wunderbaren Songs endlich einmal zuhause angekommen. Später am Abend, wenn Niki und Felix keinen Bass mehr von keiner Gitarre unterscheiden können und endlich Feierabend machen, sitzen wir auf der alten Ledercouch und er singt mir verschiedene Dinge vor, einen Song von Gram Parsons, dann Elvis Costello. Die Entwicklung liegt darin, dass Felix inzwischen selbst Costello so persönlich singt, dass man erst nach anderthalb Strophen darauf kommt, von wem die typisch verwinkelte Gesangslinie wohl stammen mag. Niki spielt uns die Ergebnisse des Tages vor, mein liebstes der fünf Stücke, in dem unter einem zu leichtfertigen Piano plötzlich ein Monster von Gitarre vorbricht, und Felix schaut sich auf die Hände und erzählt mir, er sei sich beim Einspielen wie J. Mascis vorgekommen. Ich sage: Man sollte sich Home of the Lame auf der kommenden Tour noch einmal in der Perfektion ihrer Singer-Songwriter-Ausführung angucken. Danach kommt der Stempel in die Schublade. Ganz andere Dinge liegen beim Abmischen von "Habitat" schon in der Luft.

Matthias Teiting
Barcelona, Oktober 2006